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Weitgehend unerkannte Möglichkeiten

Phytogene FutterzusÀtze und ihre öffentliche Wahrnehmung

Es ist inzwischen mehr als 20 Jahre her, dass einige wenige Spezialisten begannen, sich mit den EinflĂŒssen phytogener, also pflanzlicher, Komponenten aus dem Bereich der Aromastoffe auf den tierischen Organismus zu beschĂ€ftigen. Diese damals „neuartigen“ Aromen sollten neben der Verbesserung der Futteraufnahme auch die aus dem Humanbereich bekannten EinflĂŒsse, z. B. die verdauungsfördernde Wirkung der GewĂŒrze, nutzen, um zu einer Verbesserung der zootechnischen Daten beizutragen. Zu dieser Zeit galten antimikrobielle Leistungsförderer (AML) als unverzichtbar zur Beibehaltung des erreichten Leistungsniveaus. Dies hat sich inzwischen weltweit deutlich verĂ€ndert und es kann festgestellt werden, dass das Verbot der AML’s zu keinem Leistungsabfall gefĂŒhrt hat. Inzwischen wurde sogar erkannt, dass diese FutterzusĂ€tze in den heutigen FĂŒtterungskonzepten eher kontraproduktiv wirken.

Die Eingangs erwĂ€hnten neuartigen Aromen hingegen haben einen festen Platz in den Rezepturen gefunden. Sie sind mittlerweile intensiver erforscht, als die „klassischen“ Leistungsförderer und zeichnen sich durch ein sehr viel breiteres Wirkungsspektrum aus.

Das Problem der universitĂ€ren Forschung besteht im Wesentlichen darin, dass keine einzelne Pflanze oder ein Extrakt hieraus die Vorteile bieten kann, wie eine aus vielen Jahren Erfahrung und extrem vielen Experimenten hervorgegangene Kombination verschiedener Pflanzen oder Pflanzenteilen1). Hierbei spielt selbstverstĂ€ndlich auch eine Rolle, welche Rohstoffe in welcher Menge miteinander kombiniert werde. Diese Kenntnisse sind jedoch unverzichtbares Know-how der wenigen Entwickler, die sich viele Jahre mit dem Thema auseinandergesetzt und hohe Summe in die Erprobung ihrer Produkte investiert haben. Zu der weltweit fĂŒhrenden Produktgruppe „digestarom“ zum Beispiel liegen inzwischen mehr als 300 wissenschaftliche Arbeiten vor. Hierunter „Schwergewichte“ wie Untersuchungen zur Wirkung auf das Immunsystem2) oder zur prĂ€zekalen Verdaulichkeit3).

Oft werden von Außenstehenden diese Produkte sehr falsch eingeschĂ€tzt und auch Anbieter solcher phytogener FutterzusĂ€tze gehen nicht selten mit völlig unhaltbaren und falschen Aussagen in den Markt. Vorherrschend ist oft die Vorstellung, dass ein solches Naturprodukt ein antimikrobielles Potential haben muss, um damit die „alten“ AML’s zu ersetzen. NatĂŒrlich ist von etlichen Pflanzenextrakten und etherischen Ölen bekannt, dass sie ein antimikrobielles Spektrum besitzen. Nur, ob dies zu der erwarteten Verbesserung zum Beispiel im Bereich der Darmgesundheit fĂŒhrt, darf auch im Blick auf die dafĂŒr notwendigen Substanzmengen und die damit einhergehenden sensorischen EinflĂŒsse auf das Futter bezweifelt werden. Einige Beispiele sollen die KomplexitĂ€t verdeutlichen.

Forschungsarbeiten zu Ingwer (Zingiber officinale) haben gezeigt, dass vor allem der Ingwer-Inhaltsstoff Zingeron die Bindung des E. coli-Toxins an die Darmwandzellen verhindert und damit eine Kaskade von biochemischen Reaktionen, die bis zur Diarrhöe fĂŒhrt, unterdrĂŒckt4). In diesem Zusammenhang sei auch auf die an der Georg-August-UniversitĂ€t, Göttingen, durchgefĂŒhrten Arbeiten zum Einfluss von digestarom auf die Darmflora (stark gehemmtes Wachstum bei E. coli im DĂŒnndarm und im Caecum von Broilern) verwiesen.

Bei Dill (Anethum graveolens) ist bekannt, dass die Zusammensetzung des Dillöls je nach Vegetationsperiode stark variiert. Eine frĂŒhe Ernte bringt „Krautöl“ mit hohem a-Phellandrengehalt (a-Phellandren ist z. B. auch im Eukalyptusöl und in der Angelikawurzel enthalten) . Im weiteren Vegetationsverlauf steigt mit Bildung der FrĂŒchte und Samen der Carvongehalt, was zum sogenannten „Samenöl“ fĂŒhrt5).

Allein diese Beispiele zeigen, wie weit der Bereich der Rohstoffselektion und die Kenntnisse um die Effekte der verschiedenen natĂŒrlichen Ressourcen gehen muss, um zu solchen Produkten zu gelangen, die den Anforderungen des heutigen Marktes entsprechen. Die Untersuchung z. B. allein von Bohnenkraut oder die Hoffnung, dass die bekannten antimikrobiellen Wirkungen von Oregano (Carvacrol / Thymol) es richten werden, reichen sicher nicht aus.  Ein ausgereiftes phytogenes Produkt enthĂ€lt 40 bis 80 (oder auch mehr) unterschiedliche Rohstoffe, die ihrerseits meist mehrere hundert „Wirkstoffe“ mitbringen. Bei MICRO-PLUS (Hersteller der Produkte „digestarom“) wurde deshalb gleich zu Beginn der Entwicklung grĂ¶ĂŸter Wert darauf gelegt, die Produkte zu standardisieren, um bei den aufwendigen FĂŒtterungsversuchen zu einer Konsistenz in den Ergebnissen zu kommen.

Das ĂŒber mehr als 20 Jahre gesammelte Erfahrungswissen um die bestmögliche Kombination der verschiedenen Rohmaterialien, der Auswahl des richtigen Erntezeitpunktes, die optimalen MengenverhĂ€ltnisse der Rohstoffe zueinander kann nicht durch stark vereinfachende Studien von ausgewĂ€hlten Naturstoffen ersetzt werden. Auch solche Anbieter, die noch „schnell auf den Zug aufspringen“ wollen, werden hier auf Dauer keine Markterfolge vorweisen können. Dies ist auch daran zu erkennen, dass sich inzwischen Firmen von dieser Produktgruppe wieder getrennt haben und auch z. B. PrĂ€mixhersteller kaum ĂŒber das notwendige Spezialwissen verfĂŒgen, wenn Sie nicht Know-how von spezialisierten Betrieben „zukaufen“ und in eigene Produktlinien ĂŒberfĂŒhren. Hier sollte der Landwirt aus „Endanwender“ kritisch hinterfragen, welche Daten zu den einzelnen Produkten vorliegen und ob diese Daten biostatistisch gesichert sind.

Neben den bereits erwĂ€hnten EinflĂŒssen phytogener Futterzusatzstoffe auf die zootechnischen Leistungen liegen inzwischen auch zahlreiche Untersuchungen zu den folgenden Themengebieten vor:
-    Darmgesundheit / Durchfallgeschehen
-    Modifizierung der Darmflora6) (Lactobacilli7) )
-    VerfĂŒgbarkeit essentieller AminosĂ€uren
-    MortalitĂ€t / MorbiditĂ€t
-    Milchleistung von Sauen und MilchkĂŒhen
-    SchlachtkörperqualitĂ€t8)  (Magerfleischanteil / Abdominalfett)
-    Untersuchungen zu den sensorischen Eigenschaften des Fleisches (Saftigkeit / Zartheit)
Fest steht, dass es kaum eine andere Gruppe von Futterzusatzstoffen gibt, die ein vergleichbares Wirkspektrum aufzuweisen haben. Da die hier beschriebenen „modernen“ Aromastoffe die althergebrachten Geschmackstoffvormischungen ersetzen, kann in vielen FĂ€llen davon ausgegangen werden, dass der Einsatz dieser ZusĂ€tze das Futter kaum verteuert, aber einen extrem hohen Nutzen bringt. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch Untersuchungen zur Kombination von phytogenen FutterzusĂ€tzen mit anderen Additiven. Es ergeben sich z. B. bei der Verwendung von SĂ€uren, aber auch mit NSP-Enzymen wirkungsvolle Synergien. All diese Möglichkeiten werden oft völlig unterschĂ€tzt und es sollten die hier beschriebenen pflanzlichen FutterzusĂ€tze in jedem Fall in die FĂŒtterungskonzepte Eingang finden.

Literatur

1)  Ingrid Halle, Ralph Thomann, Ulrike Bauermann, Martina Henning und Peter Köhler: Einfluss einer gestaffelten Supplementierung von KrĂ€utern oder Ă€therischen Ölen auf Wachstum und Schlachtkörpermerkmale beim Broiler, Landbauforschung - Heft 4/2004
2)  The Veterinary Record „ALTERNATIVE ANTIMICROBIAL IN THE NUTRITION OF POST-WEANING PIGLETS”, Savoini et al., 2002
3)  Simon et al. 2008, unveröffentlicht
4)  J.-C. Chen et al. in doi : 10.1021/jf071460f
5)  N. W. Callan et al. in Industr. Crops Production (2007), 25(3), 282-287 u. Chem. Abstr. 147 :381641
6)  Rama Rao et al. Indian Counsil of Agricultural Research (unveröff.), 2008
7)  Korean J. Poult. Sci. Vol 35, No.1, 71-78 (2008)
8)  FIS BV (Feed Innovation Services BV)Wageningen, NL 2007, Branscheid „Auswirkungen auf die SchlachtkörperqualitĂ€t?“, DGS-Magazin, Heft 23/1998

 


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